Was, wenn mir die anderen nicht beim Aussortieren helfen? 3 Impulse
Vielleicht steckst du mit deinem Partner (/ Partnerin / Mutter /Mitbewohner) mitten im Umzugschaos und ihr müsst dringend noch ein paar Dinge loswerden, die nicht in die neue Wohnung passen. Oder euch begleitet das Thema „Krams“ schon eine längere Weile. Wenn wir mit anderen Menschen zusammenwohnen, kann das Welten aufeinanderprallen lassen. Erst recht wenn es der Partner oder die Partnerin ist. Schließlich wünschen wir uns, unser Gegenüber würde uns immer verstehen, ohne Worte, Verständnis haben, alles aufräumen und sowieso und überhaupt müssten wir uns mit dem Thema gar nicht mehr beschäftigen. Diese Lösung kann ich dir leider nicht servieren (auch wenn ich es liebend gerne würde. Sag mir bescheid, wenn du rausgefunden hast, wie das geht). Was ich dir aber heute mitteilen möchte, sind drei Anregungen, wie du anfangen kannst, auch wenn du dich mit dem Thema Sortieren alleine fühlst.
Tipp Nummer 1: Finde deine Nische
Es gibt doch bestimmt einen Ort im Haus, für den du verantwortlich bist oder der dir gehört. Ob du ein eigenes Zimmer hast, eine Schreibtisch-Ecke oder der Wäschekeller, fang an, dort auszusortieren. Das heißt nicht, dass ihr nicht zu den gemeinsamen Bereichen kommt, aber das kann der erste Schritt sein, ins Tun zu kommen. Außerdem wirkt sich dein Handeln auf die andere Person aus! Wenn du schon mal einen richtig schönen Bereich für dich hast, wird der andere vielleicht neidisch und fängt auch an zu sortieren… Und selbst wenn nicht, hast du für dich eine Erleichterung geschaffen, über die du dich freue kannst und die dich motiviert. Das Ganze bringt schon einmal Schwung in die Bude und du fühlst dich nicht ganz so abhängig von einer anderen Person, mit dem Sortieren anzufangen, wenn diese andere Person das noch nicht möchte oder noch nicht kann. Nutze also die Fähigkeiten und Möglichkeiten, die du schon hast. Viele Probleme verschwinden von alleine, wenn man sich auf das Positive konzentriert, anstatt das Negative loswerden zu wollen.
Was dazukommt, ist, wenn du anfängst, gemeinsame Bereiche alleine zu sortierten oder Gegenstände von der anderen Person wegzuräumen, kann das dazu führen, dass die andere Person zu macht und gar nicht mehr sortieren will. Wenn du dich übergriffig verhältst, wird auch die andere Person dir keinen Gefallen mehr tun wollen. Wenn du dir also Teamwork wünschst, sei der Auslöser.
Tipp Nummer 2: Frage dich: Will ich die Hilfe, die mein Gegenüber mir geben kann, wirklich?
Möchtest du die Mithilfe deines Gegenübers wirklich, oder hilft dir dessen Art und Weise auszusortieren gar nicht weiter? Vor ein paar Wochen arbeitete ich mit einer Klientin, die wollte, dass ihr Mann ihr beim Aussortieren hilft. Wir sprachen darüber, ob es wirklich der Fall ist, dass er nicht helfen möchte oder ob die Art und Weise der Hilfe für sie nicht die Hilfe war, die sie brauchte. Sie erzählte mir dann, dass sie sich eigentlich jemanden wünscht, der mit ihr alle Gegenstände durchgeht, entscheidet, was bleibt und es einsortiert, wo es hingehört und den Rest zum Wertstoffhof bringt oder spendet. Die Hilfe, die ihr Partner ihr in diesem Moment anbieten konnte, war nicht das, was sie brauchte. Am Ende kamen wir darauf, dass es vielleicht jemand anderes gibt, der ihr bei diesen Aufgaben beiseite stehen konnte. Sie überlegte, dass sie ihre Mutter fragen könnte, für sie zum Wertstoffhof zu fahren und dass eine Freundin ihre Tochter nehmen könnte, während sie selbst sortierte oder dass diese Freundin ihr beim Sortieren selbst helfen könnte.
Dennoch finde ich es wichtig hinzuzufügen, dass es nicht der Fall ist, dass du alles alleine machen musst und dass du akzeptieren musst, dass dir dein Gegenüber nicht hilft. Darum geht es hier gar nicht! Es geht darum, einen ersten Schritt in die Selbstverantwortung zu machen, damit du weiterkommst und du dir deine Bedürfnisse erfüllst. Daher erwähne ich, dass wir uns manchmal etwas vorgaukelt (zum Beispiel, der andere hilft mir ja nicht, obwohl der andere helfen möchte, aber wir nicht mit der Art der Hilfe zufrieden sind).
Tipp Nummer 3: Kommuniziere deine Wünsche
Dieser Punkt klingt erstmal offensichtlich, dennoch überspringen wir diesen Punkt mal ganz gerne und ärgern uns trotzdem, dass wir keine Hilfe erhalten.
Neulich sprach ich mit einem Klienten über genau dieses Thema. Er hatte sich ausführlich mit der „Gewaltfreien Kommunikation“ nach Marshall Rosenberg auseinandergesetzt. „Weißt du, ich mache das immer ganz nach den Regeln der Gewaltfreien Kommunikation und dann macht meine Partnerin das gar nicht so, wie ich das will, die doofe Sau.“ Wir lachten beide, weil uns klar wurde, dass regeltreue Kommunikation nicht funktionieren kann, wenn wir mit dem Herzen nicht dabei sind. Die Intention der Kommunikation muss stimmen und für die Reaktion der anderen Person sollten wir auch Raum lassen.
Also, hast du schon wirklich kommuniziert, was du an Hilfe brauchst? Und hast du diese Frage mal so stehen gelassen und abgewartet, was passiert? Es kann sein, dass erstmal eine abweisende Reaktion kommt, aber das ist vielleicht nicht wirklich die Meinung der anderen Person, sondern diese braucht unter Umständen erstmal Raum, sich mit dieser Idee vertraut zu machen. Wenn du dieser Person grundsätzlich wichtig bist, wirst du erstaunt sein, wie sie auf dich eingeht.
Um das Ganze an einem Beispiel klar zu machen: Wenn dein Gegenüber nun zum Beispiel im Garten Äste geschnitten hat und sie seit Wochen auf der Wiese liegen lässt wünscht du dir vielleicht, der andere würde auf die Idee kommen, das selber wegzuräumen. Jetzt fällt dir auf, dass du diesen Wunsch noch nicht eindeutig kommuniziert hast, sondern diese unausgesprochene Erwartung mit dir herumträgst und er sich in einer generelle Angespanntheit oder Aggressivität deinerseits ausdrückt. Geben wir deinem Gegenüber den „benefit of the doubt“ wie man es so schön nennt, den „Zweifelbonus“ und gehen wir davon aus, dass der andere in dieser Situation nicht wusste, wie wichtig dir diese Sache ist oder die Äste schlicht und einfach hinten im Garten vergessen hat. Deine Aufgabe ist jetzt: Sag es einmal und sag es freundlich. Und dann: Warte ab. Du kannst gespannt sein, was passiert. Hier handelt es sich nicht um einen Test des anderen, sondern es geht darum, deine Zweifel wirklich zu überprüfen. Es könnte in diesem Beispiel sein, dass die Äste weitere zwei Tage liegen bleiben und du dir den Impuls verkneifst, zu sagen: „Der Rasen vergammelt, räum das endlich da weg!“ (Wenn das da in sechs Monaten immer noch liegt, können wir darüber nochmal sprechen.) Sag stattdessen einmal: „Würdest du die Äste da wegräumen? Ich glaube, dass der Rasen darunter leidet.“ Lass die Reaktion sein, was sie sein möchte, vielleicht gibt es ein kurzes Grummeln oder die Person zieht sich zurück; vielleicht ist die andere Person aber auch viel positiver als du denkst und sagt direkt „Oh, das tut mir leid, habe ich ganz vergessen, mache ich sofort.“
Selbst wenn das nicht der Fall ist, kümmere dich solange um deinen eigenen Bereich (siehe Punkt 1) und du wirst erstaunt sein, was die andere Person mit dieser Information und ein bisschen Raum zur Umsetzung macht. Vielleicht passieren die Veränderungen nicht auf die Art und Weise, die du dir gewünscht hast, aber beobachte großzügig, wie die andere Person auf dich eingehen möchte und wertschätze es.
Immer wenn ich solche Tipp gebe oder über diese Themen spreche, dann habe ich im Hinterkopf, dass jede Situation verschieden ist. Was für den einen funktioniert, mag die andere abstoßen. Also prüfe, ob das auf deine oder eure Situation zutrifft.
Ich möchte euch ermutigen, nicht sofort aufzugeben, sondern dran zu glauben, dass dir die andere Person entgegen kommen möchte und dass du mehr Möglichkeiten hast, als du denkst, selber Veränderung hervorzurufen.
Hier findest mein Ebook dazu mit 3 Übungen, die dir das Anfangen vereinfachen.