Wie gesunde Männlichkeit beim gemeinsamen Aussortieren helfen kann

Über Männlichkeit schreiben… Keine einfache Aufgabe. Diesen Begriff zu nutzen soll hilfreich sein, nicht destruktiv oder kategorisierend. Ebenso begann ich das Gespräch mit meinem Klienten, als wir über das Aussortieren sprachen. Er und seine Frau sortierten gemeinsam aus, weil sie bald umziehen wollten und noch einige Sachen loswerden wollten. Mein Klient beschrieb mir, dass für ihn so unklar war, wo er mit dem Aussortieren anfangen sollte. Er wollte gerne den Wünschen seiner Frau nachkommen, doch er hatte eine andere Herangehensweise an das Sortieren und eine andere Sicht darauf, was der wichtigste nächste Schritt sein sollte. Dass er sich eingestand, dass er sehr wohl wusste, welcher Schritt für ihn Priorität hatte und wo er anfangen wollte, entwickelte sich in unserem Gespräch über die Männlichkeit.

Ich fragte ihn, welche Rolle diese in seinem Leben einnahm. Er gestand mir, dass sich „männliches“ Verhalten in zwei Kategorien einteilen ließ (softie- und machomäßig) und keine davon wollte er füllen. Erst als wir uns auf den Begriff „gesunde Männlichkeit“ einigten, schien sich für ihn die Möglichkeit aufzumachen, dass es etwas dazwischen gab, mit dem er sich identifizierte.

Mann sein bedeutete für ihn, seiner Intuition zu trauen, die ihm sagte, dass Entscheidungen getroffen werden mussten, die nicht mehr weiter aufgeschoben oder überdacht werden sollten. Es bedeutete für ihn, in seinen Wünschen mit sich selber klar zu sein und diese auch klar zu kommunizieren. Es bedeutete für ihn, sich nicht von alltäglichen Stimmungen von seinem Ziel abbringen zu lassen.

Wie mein Klient mir berichtete, hat diese Erkenntnis die gemeinsame Sortierarbeit sehr verändert. Er und seine Frau teilten die Aufgaben anders unter einander auf. Er versuchte nicht mehr, auf ihre Weise auszusortieren. Er kommunizierte klar, was für ihn stattdessen die wichtigsten Schritte waren. Auch außerhalb des Sortierens, sagte er, entwickelte die Beziehung wieder mehr Schwung, was sich vermutlich auf die entstandene Polarität zurückführen lässt (im Gegensatz zu der, wie er es nannte, Beziehungs-„Pampe“).

Vielleicht kann dir der Begriff Männlichkeit (wenn er in deinem Fall zutrifft) einen Impuls geben. Was passiert, wenn du mal auf ihm herumkaust? Was bedeutet für dich Männlichkeit und wie sieht männliches Verhalten aus?

Pauline Levesque